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 (20.02.17)




In der PDF ist der Text in chronologischer Abfolge enthalten, also von (1), (2) ... bis (5).



Bohnke. Dualismus





27.11.16  Dualismus (5): Dualismus und Monismus     

 

Ich habe verschiedene Möglichkeiten des Dualismus (von Materie und Geist) aufgezählt. Bis auf den Interaktionismus sind aber alle anderen Positionen letztlich monistisch, allerdings im Sinne eines gemäßigten Monismus, denn Materie wie auch Geist sind selbst weiter zerlegbar. Das zeigt noch einmal die Bedeutung des Monismus. Es liegt hier jeweils nur im Ausgangspunkt ein Dualismus vor. Das sei im Einzelnen erläutert:


· Materialismus: Da Geist hier als abgeleitet oder sogar nur illusionär gilt, bleibt letztlich nur die Materie als einheitliches Prinzip übrig.

· Idealismus: Hier ist es umgekehrt, die Materie wird auf den Geist zurückgeführt, so bleibt nur der Geist als selbstständiges Prinzip.

· Unionismus: Wenn Materie und Geist sich wie zwei Seiten einer Münze verhalten, so kann man jedenfalls die Münze, wie immer man sie auffasst, als zugrundeliegende Einheit auffassen, z. B. als geistig-materielles Geflecht.

· Unitarismus: Beim Unitarismus ist das noch deutlicher:

Materie ← X → Geist . Wenn ein einheitliches Prinzip X als Basis von Materie und Geist existiert, z. B. Energie, dann ist Energie eben die Einheit. Wiederum läuft das auf einen Monismus hinaus.


  Auch die Schwingungstheorie überschreitet den Dualismus. Man könnte sie zunächst für pluralistisch halten, da sie viele, ggf. unendliche viele Schwingungsebenen unterscheidet. Im Grunde argumentieren solche Theorien aber wieder monistisch: Es gibt fundamental nur ein Etwas, häufig Energie oder Schwingung genannt. Und je nach Schwingungsgrad äußert es sich als Materie, Bewusstsein oder in einem Zwischenzustand.


  Wenn man dagegen 5  Prinzipien annimmt, die selbstständig sind, wenn auch nicht völlig unabhängig voneinander, kommt man gar nicht in diesen Sog des Monismus. Ich gehe wie gesagt von 5 Dimensionen aus, die ich nicht auf weniger reduziere. Das ist allerdings kein Dogma. Wie schon ausgeführt, gäbe es auch Argumente, weniger oder vielleicht mehr Dimensionen anzusetzen.


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22.11.16  Dualismus (4):  Übergang zwischen Materie und Geist

 

Es gibt auch Theorien, dass es einen Übergang zwischen „grobstofflicher“ Materie (Stoff) und unstofflichem Geist gibt, nämlich den Bereich der Feinstofflichkeit. Es wird von einer Schwingung des Seins ausgegangen, wobei gilt: je höher („feiner“) die Schwingung, desto geistiger.

 

Schwingung                 Level                          Dualität          Seinsform

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- hoch                          unstofflich                geistig                Bewusstsein

- mittel                         feinstofflich                                         „Astralkörper“ u.ä.

- niedrig                      grobstofflich             materiell              Materie

 

Eine ähnliche Theorie geht von dem Grad der Dichte aus. Danach gilt: Materie ist verdichteter Geist. Oder Geist ist verdünnte Materie.

   Das lässt sich weiter differenzieren. So sind beliebig viele Stufen zu unterscheiden, von grobmateriell über immer feinstofflicher bis zu völlig immateriell.

   Grundsätzlich ist diesem Modell vorzuwerfen, dass es einseitig ist. Denn in der Physik werden bis heute zwei komplementäre Modelle gleichberechtigt verwendet: erstens das Teilchen-Modell (Materie) und zweitens das Wellen-Modell (Energie). Die Dinge lassen sich nicht nur als Energie-Wellen (kontinuierlich) auffassen, sondern ebenso als Materie-Teilchen (diskontinuierlich); übrigens muss sich Energie auch nicht als Welle darstellen, es gibt viele andere Formen.


   Besondere Schwierigkeiten bereitet aber die esoterische Vorstellung, je höher die Frequenz und damit auch die Energie einer Welle sei, desto mehr Geist beinhalte sie. Das würde z. B. bei den elektromagnetischen Wellen bedeuten, dass Röntgenstrahlen geistiger als Licht-Wellen sind, diese geistiger als Radar, der geistiger als Rundfunk-Wellen usw. Auch bei Gehirn-Wellen stoßen wir auf Schwierigkeiten: Denn gerade in der Meditation, wenn der Mensch doch mit hohen geistigen Ebenen Kontakt aufnimmt, sind seine Hirn-Wellen sehr langsam (Alpha- oder Theta-Wellen), während er bei Konzentration, Erregung usw. schnellere, „geistigere“ Hirnschwingungen (Beta-Wellen) aufweist.

   Generell sind diese Theorien, die vorwiegend aus der Esoterik stammen, problematisch, nicht wissenschaftlich abgesichert, wenn auch grundsätzlich der quantitative Ansatz einer Schwingungsfrequenz interessant ist.

 

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16.11.16  Dualismus (3): Materie und Geist (= Bewusstsein)

 

Hier ist mit „Geist“ überwiegend das gemeint, was in meinem Text sonst  Bewusstsein (oder Psyche) genannt wird. Da dieser Dualismus aber begrifflich meistens als „Materie versus Geist“ gefasst wird, bleibe ich hier bei dieser Terminologie.

   Im Diagramm sähe das folgendermaßen aus:

 

                                              Wirklichkeit

                                            |                     |

                                      Materie             Geist

                           

 

Der Dualismus besagt in einem ersten Schritt, dass sich die gesamte Wirklichkeit, alle Dimensionen auf die zwei Dimensionen Materie und Geist zurückführen lassen.

    Das genaue Verhältnis zwischen diesen beiden, zwischen Geist und Materie, kann aber in einem zweiten Schritt sehr unterschiedlich bestimmt werden und dies geschieht auch (wodurch der Dualismus zuweilen wieder aufgehoben wird).

   Betrachten wir die gängigsten Positionen in der Philosophie im Hinblick auf Materie  versus Geist, so lassen sich etwa folgende unterscheiden:     

 

·  Materialismus:      Materie  →  Geist  

·  Idealismus:           Geist  →   Materie

·  Unionismus:         Materie = Geist

·  Unitarismus:         Materie ← X → Geist

·  Interaktionismus: Materie ↔ Geist

 

·  Materialismus: Materie --> Geist  

Die Materie schafft oder bestimmt den Geist, bzw. der Geist ist nur  Illusion.

Geist = Bewusstein ist nur eine Eigenschaft hochkomplexer Materie, nämlich

des Gehirns. Man kann Aussagen über den Geist letztlich in Aussagen über das Gehirn übersetzen. In einem gemäßigten Materialismus, wird Geist als eine emergente, höhere, neu auftretende Eigenschaft angesehen, jedenfalls kann es kein Bewusstsein ohne materiellen Träger geben.

 

·  Idealismus: Geist --> Materie

Hier haben wir die umgekehrte Position, mit verschiedenen Varianten: Der Geist determiniert die Materie. Der Geist schafft die Materie. Die Materie ist  letztlich nur eine Illusion. Emphatisch spricht man vom „Sieg des Geistes über die Materie“.  


·  Unionismus: Materie = Geist

Materie und Geist  verhalten sich  wie zwei Seiten einer Münze. Sie treten immer zusammen auf, sind untrennbar miteinander verbunden, eine Zwei-Einheit, eine „Dual-Union“. Z. B. gilt der Geist als das dynamische Organisationsmuster eines materiellen Systems. Man spricht auch von Identitätstheorie.


·  Unitarismus:  Materie <-- X --> Geist

Es existiert ein einheitliches Prinzip X als Basis von Materie und Geist, z. B. ist Energie dieses Prinzip X. Es kann sich in materieller oder geistiger Form zeigen. Im Taoismus ist diese Einheit das Tao, in anderen Theorien z. B. die „eingefaltete Ordnung“.


·  Interaktionismus: Materie <--> Geist

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Materie und Geist. Materie und Geist sind (gleichberechtigte) Partner, die miteinander interagieren. Pragmatisch gesehen ist diese Theorie erfolgreich, ein Problem dabei ist allerdings, wie man sich eine Wirkung vom Geist auf die Materie oder von der Materie auf den Geist vorstellen kann.

 

Welche dieser Theorien ist am besten untermauert? Das kann man heute noch nicht abschließend sagen. Es gibt für alle Theorien Pro- und Contra-Gründe. Ein Favorit könnte der Unionismus sein: Man geht zwar  von einer einheitlichen Wirklichkeit aus, aber reduziert nicht zwanghaft ein Prinzip auf das andere. Selbst wenn sich z. B. irgendwann einmal zeigen würde, dass man Aussagen über Bewusstsein in Aussagen über Prozesse im Gehirn (Materie) umwandeln könnte, behielte dennoch das Bewusstsein als besondere Dimension seine Berechtigung und Eigenständigkeit. Das passt auch am besten zu einer Polaritäts-Theorie, wonach  zwei Pole (Materie) und (Geist) im Gegensatz zueinander stehen, sich aber zu einer Ganzheit oder Einheit ergänzen. Ähnliches gilt für den verwandten Unitarismus.

 

Es gibt noch andere Theorien, z. B. den Parallelismus, nach dem Materie und Geist - bzw. Körper und Bewusstsein - zwar unabhängig voneinander sind, sich aber parallel verhalten und entwickeln, etwa im Sinne der Leibnizschen „prästabilisierten Harmonie“. Diese Theorien sind aber so unplausibel, dass man sie vernachlässigen kann.

   Nach meiner Auffassung gilt allerdings ohnehin, dass es nicht überzeugt, die gesamte Wirklichkeit nur auf die zwei Dimensionen Materie und Geist/Bewusstein zurückzuführen, gleichgültig, wie man genau das Verhältnis zwischen Geist und Materie bestimmt.


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10.11.16  Dualismus (2): Materie und Geist (= Ideen)

 

In der traditionellen Philosophie, aber auch in der Esoterik gibt es die Unterscheidung zwischen zwei qualitativ verschiedenen Wirklichkeiten: die materielle Welt und die „andere“ Welt, die geistige  Welt. Man orientiert sich dabei vor allem am Platonismus, einer Form des Idealismus. Nach ihm ist die eigentliche Realität das Reich der Ideen, das sind zeitlose geistige Urbilder oder Urbegriffe, wogegen unsere Erfahrungswirklichkeit nur eine Schattenwelt bedeutet.

   Dem Idealisten gilt die geistige Welt auch als ideelle oder ideale Welt. Vor allem in der Esoterik bewertet man diese Geist-Welt als hochstehend und edel, die Stoff-Welt dagegen häufig als niedrig, manchmal sogar als sündig und böse – die Materie gilt dann als der gefallene Geist (dazu kommen wir genauer im Kapitel 3 über das Bewusstsein).

   Auf den Platonismus und seine Kritik werde ich später noch ausführlich eingehen. Nur ein Problem sei hier schon einmal angesprochen: Sind die „Ideen“ wirklich unveränderlich? Z. B. die Idee des Menschen: Der Mensch hat sich doch vom Urmenschen in verschieden Entwicklungsstufen bis heute zum „Homo sapiens“ entscheidend verändert, wie kann ihm durch alle Zeiten stets die gleiche Idee entsprechen?

   Vor allem nach idealistischer Sicht unterscheiden sich das geistige und das materielle Sein insbesondere durch folgende Gegensätze:

 

Geistige Welt                       Materielle Welt

 

Einheit                                  Vielheit

„Ding an sich Wesen            Erscheinung

Wesen / Sein / Essenz         Schein

Zeitlosigkeit                          Zeitlichkeit

Ewigkeit                                Vergänglichkeit

Konstanz                              Veränderung

Ruhe                                     Bewegung

Unräumlichkeit                      Räumlichkeit

Ursache                                Wirkung

Zweck                                   Mittel

Notwendigkeit                       Zufälligkeit

Absolutheit                            Relativität     

 



Eine Unter-Kontroverse der Kontroverse zwischen Geist und Materie ist die zwischen Statik (Geist) und Dynamik (Materie) bzw. zwischen „Statikern“ und „Dynamikern“.

 

·  Die Statiker

Für sie steht fest: In der geistigen Welt herrscht Ruhe und Ordnung. Da verändert und bewegt sich nichts. Alles ist ewig bzw. zeitlos. Entstehen und Vergehen gibt es nur in der materiellen Welt, aber da diese letztlich eine Scheinwelt ist, sind Veränderungen nur eine Illusion bzw. Zeit ist eine Illusion. Zur Begründung werden einerseits alte Meister, z. B. aus dem Hinduismus (herbei)zitiert, welche die Unvergänglichkeit der Geist-Welt lehren. Man beruft sich aber auch auf Einsteins Relativitätstheorie, danach besitzt die Zeit ja nur Gültigkeit in Relation zu einem Bezugssystem, sie wird relativiert, und von daher relativiert sich auch der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die dynamisch-materielle Welt wird zwar nicht unbedingt als illusionär erklärt, aber sie ist jedenfalls sekundär, metaphorisch so wie die Wolken gegenüber dem Himmel.

 

· Die Dynamiker

Ihr Stammvater ist der griechische Philosoph Heraklit,  der mit seinem Satz „Alles fließt“ eine der bis heute einflussreichsten Headlines des Altertums formulierte: Es gibt nichts Beständiges, keine Ruhe, alles ist im Fluss, in Bewegung. Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen. Aus dieser Sicht ist also gerade umgekehrt das beharrende, statische Sein nur Schein, bzw. als Abstraktion, bei der man einfach von der realen Bewegung absieht. Sogar unser Ich - als überdauernder Persönlichkeitskern - wird als Illusion betrachtet.

 

Welche Sicht ist überlegen oder richtig, die statische oder die dynamische?

Eine eindeutige Antwort lässt sich nicht geben, aber die Lösung dürfte darin liegen, beide als gleichberechtigt anzusehen. Eventuell handelt es sich sogar nur um ein Schein-Problem, weil Bewegung und Ruhe untrennbar miteinander verbunden sind. Man kann sich hier verschiedener Bilder bedienen: die Nabe des Rades, die unbewegt ist, während sich das Rad dreht; der Ruhepol zwischen zwei Ausschlägen eines Pendels, der Wellengipfel zwischen dem Auf- und Abschwung der Wellen, oder auch, dass die Welt in einem ewigen Zyklus kreist: sie verändert sich dann einerseits ständig, andererseits durchläuft sie immer die gleiche Bahn, wie ein Karussell.

   Die Lösung geht also in Richtung der Polaritäts-Theorie. Ruhe und Bewegung sind danach zwei Pole, die sich zu einem Ganzen er-gänzen. Zumindest begrifflich ist Ruhe ohne Bewegung (und umgekehrt) gar nicht möglich, man könnte aber auch diskutieren, ob physikalisch eins auf das andere angewiesen ist.


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04.11.16  Dualismus (1): Dualismus und Polarität

 

Eine wichtige philosophische Lehre ist der Dualismus. Es geht dabei um eine Zweiheit oder Dualität.

   Sein Hauptkonkurrent ist der Monismus, die Theorie, dass alles auf eine Einheit zurückgeht bzw. das gilt: „Alles ist eins.“

   Der Häufig spricht man anstatt von Dualität auch von Polarität. Polarität ist eine besondere Zweiheit, bei der ein klarer Gegensatz zwischen zwei (oder auch mehreren) Entitäten, den Polen besteht, die sich aber zu einer Ganzheit er-gänzen. Allerdings lassen sich Dualität und Polarität nicht eindeutig abgrenzen. Dennoch würde man z. B. Gott-Vater und Gott-Sohn eher als Dualität sehen, Gott und Teufel dagegen als Polarität.

  Weitere Beispiele für Dualität / Polarität sind z. B.: Yin und Yang, Welle und Teilchen,  Plus-Pol und Minus-Pol, Gefühl und Verstand usw.

   Uns interessiert hier aber vor allem ein Dualismus innerhalb der 5 Welten der Integralen Philosophie, also Form, Materie, Geist, Bewusstsein, Sprache.

Es geht also konkret um eine Rückführung der genannten 5 Welten auf 2 Welten.

   Die am häufigsten genannten 2 Dimensionen eines Dualismus sind vermutlich  Materie und Geist.

   Daher will ich das Verhältnis von Materie und Geist, exemplarisch für den Dualismus, genauer untersuchen.

  Dabei gibt es allerdings mindestens zwei Bedeutungen von „Geist" zu unterscheiden:

· Geist = Ideen (mentale Urbilder im Sinne Platons)

· Geist = Bewusstsein (Psyche oder Seele), welches quasi die Materie beseelt.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen beiden Konzepten ist z. B., dass die Ideen als zeitlos-unveränderlich angesehen werden, wogegen das Bewusstsein in der Zeit verläuft, wenn auch die Unsterblichkeit der Seele diskutiert wird.

 

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