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 (20.02.17)



In der PDF ist der Text in chronologischer Abfolge enthalten, also von (1), (2) ... bis (5).




Bohnke. Erkenntnis-Methoden



 



 

Erkenntnis-Methoden (04.12. - 28.12.16)



28.12.16  Erkenntnis-Methoden (5): Induktion  und Deduktion

 

Hier möchte ich drei Ansätze unterscheiden:

· Induktion

So heißt das Fortschreiten vom Besonderen zum Allgemeinen, einzelne Beobachtungen werden zu Hypothesen und schließlich Gesetzen zusammengefasst. Wenn etwas für einige Elemente einer Klasse gilt, so folgert man daraus, dass es auch (wahrscheinlich) für die anderen Elemente, also letztlich für alle Elemente der Klasse gilt. Das hört sich zwar nach empirischem Vorgehen an. Aber hinter der Induktion steht natürlich eine Theorie, z. B. die Annahme, dass sich die Elemente einer Menge prinzipiell gleich verhalten, und dass man daher, wenn man das Verhalten einiger Elemente untersucht hat, in gewissen Grenzen auf alle Elemente schließen kann. Somit darf man die Induktion keineswegs als allein empirische Methode ansehen, sie enthält bereits eine Verbindung von beiden Vorgehensweisen.

· Deduktion

Dies ist die klassische rationale Methode: Man schreitet vom Allgemeinen zum Besonderen fort, macht Ableitungen. Das gilt für logische Schlüsse, mathematische Gleichungen wie statistische Berechnungen. Deduktionen führen zwar nicht zu wirklich neuen Informationen, aber sie ermöglichen uns oft, die gesuchte Information herauszufiltern. Zwar haben die beiden Seiten einer Gleichung denselben Wert, aber für uns ist es natürlich doch eine Erkenntnis, dass eben diese zwei unterschiedlichen Formeln den gleichen Wert haben.

· Theorienbildung

Hypothesen- bzw. Theorienbildung bedeutet: Es werden Gesetze formuliert, die für alle Menschen (einer Gruppe) bzw. für einen bestimmten Prozentsatz gelten. Dabei kommen auch logische, mathematische und statistische Verfahren zum Zuge. Aus diesen Gesetzen werden logisch-deduktiv singuläre Aussagen abgeleitet.


Die ersten fünf in diesem Text genannten Erkenntnismethoden beruhen alle auf Erfahrung, wenn auch in sehr unterschiedlicher Form. Man kann sie empirisch nennen. Zur Erfahrung gehört indirekt auch die Kenntnisnahme von empirischen Untersuchungen anderer, durch Lesen, durch Hören usw.

Der  Zugang der Theorienbildung ist dagegen rational bestimmt. Er führt nicht unmittelbar zu Erkenntnissen, sondern die Theorie muss sich an der Empirie bewähren. Wenn man allerdings ein Gesetz hat, welches das Verhalten aller Menschen (bzw. einer Gruppe) beschreibt, kann man daraus eben auf das Verhalten jedes einzelnen Menschen schließen.

 

Generell sind der Weg der Erfahrung und der Weg der Vernunft bzw. Theorie nicht gänzlich voneinander unabhängig. Beobachtung erfolgt „theoriegeleitet“, und  normalerweise basiert eine Theorie auch auf Erfahrungen, ist oft gerade die Verallgemeinerung einzelner Erfahrungen bzw. von Stichproben. Erst im Zusammenwirken von empirischem und rationalem Vorgehen entfaltet sich wissenschaftliche Forschung. Dabei spielen allerdings zusätzliche konventionalistische und pragmatische Faktoren eine Rolle, d. h. Gesetze enthalten immer auch einen Aspekt von Festlegung oder Mutmaßung, sie sind nicht vollständig aus der Empirie herzuleiten.


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22.12.16 Erkenntnis-Methoden (4): Handeln und Verhalten

 

Manchmal werden als eigene Form der Erkenntnisgewinnung das Handeln und Tun bzw. Handlungen und Taten dargestellt.

Das zeigt sich auch in der Sprache: Man macht nur Er-fahrungen, wenn man fährt, also unterwegs ist. Man be-greift nur, wenn man etwas mit seinen Händen greift.

 

Natürlich lernt man das Leben nur wirklich kennen, wenn man sich durch Handlungen und Engagement in das Leben einbringt. Und man lernt auch sich selbst nur in  der Kommunikation, aber auch in der Konfrontation, in der Reibung mit dem anderen, mit der Welt, kennen. Learning by doing.

Man erkennt also auch sich selbst nicht nur durch Innenschau, sondern auch, indem man sich in der Welt ausprobiert: Probieren geht über studieren.

 

Dennoch ist es das Handeln keine eigene Erkenntnisquelle, die eigentlichen Erkenntnisse macht man eben doch durch Wahrnehmungen oder Reflexionen, die sich aus oder während dem Handeln ergeben.



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16.12.16 Erkenntnis-Methoden (3): Introspektion und Intuition

 

Introspektion ist Innenschau, Selbstbeobachtung bzw. Selbsterfahrung, d. h. innere (bewusste und gezielte) Wahrnehmung der eigenen Gefühle, Gedanken. Auch Selbsthypnose und Meditation, sogar Träume mögen eine Rolle spielen.  


Mit der Introspektion verwandt ist die Intuition: Es ist die innere Stimme, unser Bauchgefühl oder unser emotionales Selbst, das uns erlaubt, in uns selbst einzufühlen; aber anders als die reine Introspektion,  dient die Intuition vor allem der Einfühlung (Emphatie) in einen anderen Menschen, erspüren seiner inneren (verborgenen) Wünsche, Pläne, Überzeugungen u. ä. Dies kann in einer eigenen Versenkung (Meditation) geschehen und zu Erleuchtungs-Erfahrungen führen. Dieser Weg ist allerdings wissenschaftlich nicht anerkannt, dies gilt noch mehr für außersinnliche Wahrnehmung wie Telepathie, also Gedankenlesen.


   Die Introspektion  spielt  in erster Line eine Rolle bei der Erforschung des eigenen Ich bzw. Selbst, d. h. bei der Selbsterkenntnis. Allerdings ist es ist auch eine Methode, Erkenntnis über sich selbst hinaus zu gewinnen. Wenn man davon ausgeht, dass alle Menschen grundsätzlich psychisch gleich strukturiert sind, dass es psychologische Universalien gibt, dann kann ich in der Erforschung meiner selbst auch den anderen Menschen, ja alle Menschen in ihrem Wesen erkennen. Man kann dies noch weiter ausdehnen: Wenn alles Leben, alles Sein gleiche Fundamente und Wurzeln hat, dann kann ich in mir die gesamte Welt erfahren. Oder wenn man vom Prinzip des „pars pro toto“ (der Teil steht für das Ganze) ausgeht, das Ganze also in jedem Teil repräsentiert ist, dann kann ich als Teil in mir das Ganze finden.


Gerade im nicht-sprachlichen, über-rationalen, über-bewussten Zustand kann ich, so jedenfalls die Theorie, das Innerste der Universums erfahren, in der Erleuchtung komme ich zu einer tieferen, ganzheitlichen Erkenntnis, wie sie sonst nicht möglich ist. Dies setzt voraus, dass ich von meinem eigenen „kleinen Ich“ absehe und mich – über das trans-personale Selbst –  für das Ganze öffne.


Primär geht es aber bei der Introspektion (und Intuition) um das eigene Bewusstsein und Unterbewusstsein. Das eigene Bewusstsein – mit seinen Gefühlen Gedanken, Wünschen usw. – ist einem über Selbstwahrnehmung zugänglich. Das Bewusstsein anderer ist einem dagegen nur indirekt zugänglich, wenn man von problematischen Vermögen wie Telepathie absieht. Man kann das Bewusstsein anderer Menschen nur erschließen, z. B. aus Befragungen des anderen, Tests, Beobachtungen seines Verhaltens. Man kann allerdings auch, wie beschrieben, intuitiv das Innenleben eines anderen Menschen erfühlen, aber da sind Fehlermöglichkeiten erheblich.


Eine Erleuchtung etwa über das Wesen des Menschen an sich bleibt ebenfalls spekulativ, auch wenn die Erleuchtungserfahrung ganz evident scheint. Festzuhalten bleibt: Unmittelbar gegeben ist uns prinzipiell nur unser eigenes Bewusstein, es ist die Basis aller anderen Erkenntnisformen. Auch wenn ich mit einem technischen Gerät Messungen vornehme, letztlich bleibt es mein Bewusstsein, das diese Messungen registriert. Von daher erklären sich auch radikale Theorien wie der Solipsismus, nach dem man nur das eigene Bewusstsein erkennen kann.


Das eigene Unterbewusstsein ist einem nicht unmittelbar zugänglich – es ist eben unterbewusst oder unbewusst. Man kann aber einerseits in Unbewusste „hinabsteigen“, z. B. durch Selbsthypnose bzw. Trance; oder das Unbewusste wird zunächst in Bewusstsein umgewandelt (durch aufdeckende Therapien); schließlich lässt sich das Unbewusste erschließen durch Deutung von Symbolen, z. B. in der Traumdeutung oder in projektiven Tests wie dem Rorschach-Test. Das Unbewusste anderer Menschen ist natürlich erst recht nur schwer zu erschließen.



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09.12.16 Erkenntnis-Methoden (2): Messungen und Technik

 

Messungen verlangen den Einsatz technischer Geräte. Im Grunde sind diese Geräte eine Erweiterung, Verfeinerung unserer Sinne, auch sie gehören zur Empirie, aber sie führen zu genaueren Ergebnissen. Z. B. können wir mit Radioteleskopen in unermessliche Weiten des Alls hören, wofür unsere Ohren allein natürlich völlig ungeeignet wären, oder man kann mit Mikroskopen in die kleinsten Wirklichkeitsbereiche vordringen, wofür unsere Augen viel zu schwach sind.  Man kann aber mit Messgeräten auch Messungen durchführen, wofür wir gar keinen Sinn besitzen, wie z. B. Radioaktivität. Allerdings benötigen wir zum Ablesen der Instrumente doch unsere Sinnesorgane.


Psychologisch kommen Messungen vor allem vor als: psycho-physiologische, neuro-physiologische bzw. neuro-chemische Messungen und Tests, d. h. Messungen von Parameter, die psychisch relevant sind, wie Milchsäure im Blut, Schweißabsonderung, elektrischer Hautwiderstand, Gehirnströme. Es betrifft also vor allem Körper und Gehirn.


Beim Körper geht es hier primär um psychisch relevante körperliche Prozesse wie z. B. den Blutdruck, weniger um die Arbeit der Nieren o. ä., die erst mal wenig mit der Psyche zu tun hat (allerdings ist psychosomatisch doch möglich, dass einem „etwas an die Nieren geht“). Für die Untersuchung des Körpers brauchen wir allerdings nicht nur Messungen. Denn der eigene Körper ist uns teilweise durch die Außensinne zugänglich, andererseits durch spezielles Körperwahrnehmungen. So fühlen wir durch unseren Temperatursinn, wenn uns heiß wird (z. B. aus Angst). Der Körper anderer ist z. T. durch unsere Sinne zu beobachten, wir sehen, wenn jemand rot wird. Spezielle psycho-physische Parameter wie Veränderungen des elektrischen Hautwiderstandes sind nur durch Messungen mit technischen Geräten  festzustellen.


Dagegen ist das Gehirn direkt nur über Messungen zu erkennen, z. B. EEG-Messungen, Computer-Tomographie (CT) oder Magnetresonanz-Tomographie (MRT) des Gehirns, neurochemische Untersuchungen. Allerdings ist bis heute nur sehr begrenzt möglich, durch solche Messungen auf das inner-seelische Geschehen zu schließen. Zwar mag man  durch Messungen feststellen, dass jemand gerade starke Gefühle erlebt, aber welche Gefühle, das lässt sich erst ansatzweise technisch messen.



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04.12.16 Erkenntnis-Methoden (1): Wahrnehmung und Experiment


Ich möchte hier die wichtigsten Erkenntnismethoden am Beispiel der Psychologie darstellen, weil sich hier am besten alle verschiedenen Methoden verdeutlichen lassen Dabei werde ich immer einen psychologischen Bereich seiner primären Erkenntnis-Methode zuordnen.

 

Bei Wahrnehmung und Experiment geht es um den Einsatz unserer Sinne: Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken, neben speziellen Sinnen wie Temperatur-Wahrnehmung usw. Diese Sinne können zunächst spontan eingesetzt werden, dann systematisch oder aber in einem Experiment: d. h. man schafft selbst eine bestimmte Situation, in der man ein Phänomen besser beobachten kann; man wartet z. B. nicht ab, bis eine Krankheit auftritt, sondern führt die Krankheit durch Einnahme der Erreger selbst herbei, um sie so gezielter untersuchen zu können. Und man versucht dabei, Faktoren auszuschalten, welche die Erkenntnis erschweren, also sogenannter Störfaktoren.


Psychologisch ist hier in erster Line das Verhalten zu nennen. Das Verhalten von Menschen wird beobachtet, in natürlichen Situationen oder künstlichen Laborsituationen. Dabei spielen auch Befragungen bzw. Fragebogen und Tests eine Rolle. Das Verhalten unser eigenes wie das anderer – ist uns so am leichtesten zugänglich, durch Beobachtung (sehen, hören, tasten). Von daher hat sich ein Teil der Psychologie lange Zeit ausschließlich auf das Verhalten konzentriert (Behaviorismus).


Allerdings kann man nicht sicher vom Verhalten auf dahinter liegende Gefühle und Gedanken (Bewusstsein) schließen, denn Menschen können sich in ihrem Verhalten verstellen. Manchmal ist der Sinn bzw. der Zweck des Verhaltens auch verborgen, man muss diesen Sinn entschlüsseln und erkennen, um das Verhalten zu verstehen.


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